Sunshine Superman - Ein Leben am Limit (Foto: )
Sunshine Superman bei GEO Television (Foto: )
GEO TV: Sunshine Superman (Foto: )
Sunshine Superman - Ein Leben am Limit (Foto: )
Bild 1 von 4: Sunshine Superman - Ein Leben am Limit (Foto: )

Sunshine Superman - Ein Leben am Limit


Das Gefühl von Freiheit spüren

Montag, 26.6. 20:15 Uhr
    2:25 Uhr (Wdh.)
Dienstag, 27.6.   8:10 Uhr (Wdh.)
Mittwoch, 28.6. 14:35 Uhr (Wdh.)

Wieso aus einem Flugzeug springen, wenn man sich auch von Klippen und Wolkenkratzern stürzen kann? Carl Boenish war der Erfinder des Base-Jumping und damit Gründer einer neuen Sportart. Die Dokumentation „Sunshine Superman – Ein Leben am Limit“ erzählt das Leben des Extremsportlers, der seine Grenzen immer wieder neu auslotete und sie irgendwann überschritt. Anhand von spektakulären Archivaufnahmen lässt der Film die Zuschauer an den atemberaubenden Sprüngen teilhaben und dabei die Faszination spüren, die Carl Boenish immer wieder dazu trieb, sich erneut in die Tiefe zu stürzen.

Was immer er auch tat, er wollte es stets so gut wie möglich mit der Kamera festhalten. Carl Boenish war der Erfinder und Gründer des BASE (Building, Antenna, Span, Earth) Jumping. In erster Linie war er jedoch ein Kameramann, der stets auf der Suche nach neuen, spektakulären Motiven war. Dabei gehorchte er den Gesetzen der Natur, die von Menschen aufgestellten Regeln umging er gerne. Als in den 70er und 80er Jahren in den USA immer mehr Wolkenkratzer gebaut wurden, ignorierte er die Absperrungen und stürzte sich von den noch nicht fertiggestellten Bauten. Er und sein Team waren darüber hinaus eine der ersten, die vom Felsmassiv „El Capitan“ im Yosemite Park sprangen – ebenfalls illegal. Um die Sprünge möglichst gut mit der Kamera festhalten zu können, baute sich Carl Boenish eine Leiter, die er am Rand des Abgrunds befestigte. In über 900 Metern Höhe hängend gelangen ihm so spektakuläre Aufnahmen von den Sprüngen seiner Freunde und ihm selbst.

Carl Boenish war ein waghalsiger Abenteurer, der die Menschen mit seiner Begeisterungsfähigkeit anstecken konnte – wie seine zukünftige Frau Jean. Nachdem sie in ihrer Uni einen Film von Carl Boenish gesehen hatte, wollte sie den Nervenkitzel des freien Falls ebenfalls spüren. Schnell wurden die beiden ein Paar: Für Außenstehende die vollkommenen Gegensätze, passten sie jedoch perfekt zusammen – sowohl privat als auch beruflich. Beide wurden professionelle Base-Jumper und entwickelten den Sport zu einem weltweiten Trend.

Dabei polarisierten die Boenishs: Die einen hielten sie für verrückt und lebensmüde, die anderen wollten wie sie das Gefühl, frei und mächtig zu sein wie ein Superman, ebenfalls spüren. Der Hype ging so weit, dass Carl und Jean Boenish im Jahr 1984 begleitet von einem großen Kamerateam in Norwegen einen Rekordversuch an einem Felsmassiv in Trolveggen versuchten. Der Sprung gelang.

Dass Carl Boenish jaber nur einen Tag später, ohne sich ausgeruht und genug geschlafen zu haben, wieder in die Berge kletterte, war unverständlich. Er suchte sich eine gefährliche Stelle aus, sprang und schlug dabei gegen die Felswand. Carl Boenish konnte nur noch tot geborgen werden.

„Sunshine Superman – Ein Leben am Limit“ ist ein Portrait über einen Mann, der stets am Abgrund lebte, der seine Grenzen für sich selbst immer wieder neu auslotete und sie letztendlich überschritt. Es ist ein Portrait über einen Menschen, der von Enthusiasmus und Tatendrang sprudelte und andere Menschen von seinen Ideen und Träumen begeistern und mitreißen konnte. „Sunshine Superman – Ein Leben am Limit“ lässt die Zuschauer mit Hilfe von spektakulären Archivaufnahmen von Carl Boenish selbst an seiner Faszination für das Fallen in die Tiefe teilhaben. Der Dokumentarfilm gibt außerdem einen umfassenden Einblick in die Person Boenish – anhand von Interviews mit seiner Witwe, engen Freunden und Carl Boenish selbst.

HINTERGRUND: DIE GESCHICHTE DES BASE JUMPING

Carl Boenish war zusammen mit seiner Frau Jean bis in die 80er Jahre unter den ersten, die mit einer „normalen“ Fallschirmausrüstung von festen Objekten sprangen. Sie definierten als erste den Begriff „BASE“, der als Abkürzung für die Worte Building (Gebäude), Antena (Sendemast), Span (Brücke) und Earth (Erde, z.B. Klippen) steht. Der Name sollte damit ausdrücken, dass es sich beim Base-Jumping um vier verschiedene Sprungarten handelt: Das Springen von Brücken, Antennen, Felsen und Hochhäusern. Darüber hinaus lässt sich der Begriff „Base“ aus dem Englischen mit Unterlage und „Jump“ mit Sprung ins Deutsche übersetzen.

In den 80er Jahren wurde das Base-Jumping populär. Neben Carl und Jean Boenish sprang Rainer Nowak 1984 beispielsweise als Erster vom Olympiaturm in München. Im Jahr 1990 wagte Russel Powell den bislang niedrigsten Sprung von der Whispering Gallery der St Paul´s Cathedral in London aus einer Höhe von etwa 31 Metern. Im Jahr 2007 „unterbot“ ihn der Belgier Johan Verborrt, der von einem Turm aus nur 22 Metern Höhe sprang und sicher am Boden aufkam. Im Jahreswechsel 2005/2006 sprang der Australier Gary Cunningham innerhalb von 24 Stunden 133 Mal von den Petronas Towers (452 Meter) in Kuala Lumpur, Malaysia.  Am 5. Mai 2013 stellte der Russe Valery Rozov den aktuellen Weltrekord im Base-Jumping auf, in dem er vom Pfeilerkopf in der Südwand des Changtse (gegenüber vom Mount Everest) aus einer Höhe von 7.220 Metern sprang.

Carl Boenish war nicht der einzige, der beim Base-Jumping tödlich verunglückt ist. Zwischen 1981 und 2016 starben 282 Menschen an den Folgen eines Objektsprungs. Als gefährlichsten Absprungort stellte sich dabei das Lauterbrunnental in der Schweiz heraus. Allein 15 Prozent der Unglücke sind in dem Tal passiert: 44 Springer verloren dort ihr Leben.
Heute nutzen viele Base-Jumper einen sogenannten Wingsuit mit Flächen aus Stoff zwischen Armen und Beinen. Damit kann der vertikale Fall in eine horizontale Flugbewegung umgewandelt werden. In Deutschland darf ein Fallschirmspringer erst nach mindestens 200 Sprüngen unter Anleitung mit einem Wingsuit fliegen.